Mönch­feld – sei­ne Ent­ste­hung und mei­ne Inter­pre­ta­ti­on © bka

Ein Zis­ter­zi­en­ser-Klos­ter hat­te eine neue Grün­dungs­zel­le aus­ge­schickt, um einen neu­en Platz zu fin­den. Sie bestand aus fünf Mön­chen, einem Esel und dem nöti­gen Zehrgeld.

Der Esel soll­te was­ser­su­chend den geeig­ne­ten Ort fin­den – so ihre Ordensregel!

So kamen sie schließ­lich an den Neckar, sahen am ande­ren Ufer bereits eine Sied­lung und rie­fen nach dem Fähr­mann zum Über­set­zen. Dort war der Fluss beson­ders wild aber der Fähr­mann war ein star­ker und uner­schro­cke­ner Gesel­le. So gelang­ten Mön­che und Esel wohl­be­hal­ten ans ande­re Ufer.

Bald schon auf dem nach­fol­gen­den Land­gang wit­ter­te das Tier Was­ser. Die Klos­ter­brü­der such­ten den Besit­zer des Brach­lan­des auf, tru­gen ihr Anlie­gen vor. Die­ser mach­te den Mön­chen eine tücki­sche Auf­la­ge: einer von ihnen sol­le mit einem gro­ßen Stein in den Armen das gewünsch­te Are­al umrun­den: das sol­le ihnen damit gehören … .

Die aske­tisch leben­den Mön­che berie­ten sich: der Abt hat­te sie nach ihren Eig­nun­gen als Pio­nie­re los­ge­schickt, jeder wür­de sei­ne Schwer­punk­te gut ein­set­zen kön­nen – aber einen gro­ßen Stein wür­de kei­ner weit genug tra­gen kön­nen. Dem künf­ti­gen neu­en Abt fiel die Lösung ein: sie wür­den den Fähr­mann bit­ten: er hat­te die Strom­schnel­len besiegt, konn­te aber auch ein­zel­ne Fluss­pas­san­ten auf sei­nen Schul­tern durch den Fluss tra­gen. Da der neue Abt der größ­te unter ihnen war, trug er eine so reich­li­che Kut­te, dass auch der Fähr­mann sie tra­gen könne.

Er erläu­ter­te sei­nen Mit­brü­dern den gnit­zen Plan, der sehr gut klang. Sie wür­den aber wie­der einen Teil ihres Zehr­gel­des ein­set­zen müssen.

Sie gin­gen zum Fähr­mann, der ger­ne auf den Plan ein­ging. Und oben­drein gefiel ihm das, weil auch er die Machen­schaf­ten des Land­eig­ners schä­big fand.

Er ließ sich also eine Ton­sur sche­ren zog sei­ne Fähr­manns-Klei­dung aus, nahm die gro­ße Robe des künf­ti­gen Abtes um und ging mit den vier Mön­chen zurück zum künf­ti­gen Klos­ter­platz. Dort nahm er den gro­ßen Stein auf, trug ihn mühe­los um ein genü­gend gro­ßes Landstück.

Die Augen des Geiz­kra­gens ver­eng­ten sich zuse­hends vor ärger­li­cher Über­ra­schung, doch er stand nun ein­mal im Wort!

Der Fähr­mann in der Mönchs­kut­te kehr­te an sei­nen Fluss mit den tosen­den Stru­deln zurück und tausch­te wie­der­um das Gewand. Der künf­ti­ge Abt hat­te sei­ne ers­te gro­ße Gehor­sams­pro­be bestan­den: er hat­te sei­nen Brü­dern gedient.

Das Klos­ter ent­stand wie es geplant war. Das Are­al auf der klei­nen Höhe wur­de von allen Mönch­feld genannt und wuchs zu einem rich­ti­gen Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter her­an. Das angren­zen­de Land aber war sehr stei­nig. Kein Bau­er woll­te es beackern, so gab man es an‘s Klos­ter. Die Mön­che aber ver­ga­ben die­ses Land an arme Men­schen ohne eige­nes Feld – ganz umsonst. Die­se Men­schen hat­ten nun eige­ne Fel­der, von denen sie zwar Stei­ne lasen doch inmit­ten die­ser Stei­ne wuch­sen den­noch Feld­früch­te. Bei­den war so gehol­fen: Häus­lern und Mön­chen. So leb­ten sie noch lan­ge im Segen miteinander!

Im Tal, in der Nähe der ehe­ma­li­gen Furt durch den Neckar, wett­ei­fern all­jähr­lich Män­ner und Frau­en im Steinetragen.

Von mei­ner Deu­tung hat noch kei­ner von ihnen etwas gehört. Ihnen reicht es, dass es jeden­falls Mön­che waren, auf die die­ser Brauch zurückgeht.