Kritik der Zeit

Zita­te von Walt­her Rathen­au (1867–1922)

„Der Mensch aber begehrt Glau­ben und Wer­te. Er fühlt, daß er Uner­setz­li­ches beses­sen hat; nun trach­tet er das Ver­lo­re­ne mit List wie­der­zu­ge­win­nen und pflanzt klei­ne Hei­lig­tü­mer in sei­ne mecha­ni­sier­te Welt, wie man Dach­gär­ten auf Fabrik­ge­bäu­den anlegt. Aus dem Inven­tar der Zei­ten wird hier ein Natur­kult her­vor­ge­sucht, dort ein Aber­glau­be, ein Gemein­schafts­le­ben, eine künst­li­che Nai­vi­tät, eine fal­sche Hei­ter­keit, ein Kraft­ide­al, eine Zukunfts­kunst, ein gerei­nig­tes Chris­ten­tum, eine Alter­tü­me­lei, eine Sti­li­sie­rung. Halb gläu­big, halb ver­lo­gen wird eine Zeit­lang die Andacht ver­rich­tet, bis Mode und Lan­ge­wei­le den Göt­zen töten.“ (Zur Kri­tik der Zeit, 1912 S.93, 10. Aufl. Ber­lin 1917 S.137f)

„Rät­sel­haft ist der abs­trak­te Ehr­geiz des­halb, weil alle Bewun­de­rung der Mas­ke gilt, und von der Mas­ke zum Trä­ger kein inne­res Band der Iden­ti­tät führt.“ (Zur Kri­tik der Zeit, 1912 S.74, 10. Aufl. Ber­lin 1917, S.102)

„Der Geist, nach­zit­ternd von den Erre­gun­gen des Tages, ver­langt in Bewe­gung zu ver­har­ren und einen neu­en Wett­lauf der Ein­drü­cke zu erle­ben, nur daß die­se Ein­drü­cke bren­nen­der und ätzen­der sein sol­len als die über­stan­de­nen. In Wor­te und Töne sich zu ver­sen­ken, ist ihm unmög­lich, weil die Gedan­ken­flucht des Schlaf­lo­sen ihn durch­fie­bert. Gleich­zei­tig pochen die gequäl­ten, unter­drück­ten Sin­ne an ihre Tore und ver­lan­gen Berau­schung. So wer­den die Freu­den der Natur und Kunst mit Hohn aus­ge­schla­gen, und es ent­ste­hen Ver­gnü­gun­gen sen­sa­tio­nel­ler Art, has­tig, banal, prunk­haft, unwahr und ver­gif­tet. Die­se Freu­den gren­zen an Ver­zweif­lung […]. Ein Sinn­bild ent­ar­te­ter Natur­be­trach­tung ist die Kilo­me­ter­jagd des Auto­mo­bils […].“ (Zur Kri­tik der Zeit, 1912 S.69, 10. Aufl. Ber­lin 1917 S.94)

Peter Slo­ter­di­jk: „Jeden­falls ist es in der deut­schen Poli­tik seit Walt­her Rathen­au nicht wie­der vor­ge­kom­men, daß poli­ti­scher Ver­stand, ästhe­ti­sches Wahr­neh­mungs­ver­mö­gen, sozio­lo­gi­sche Ana­ly­se­fä­hig­keit und phi­lo­so­phi­sche Refle­xi­on sich in einem an hoher Stel­le Ver­ant­wort­li­chen ver­ei­nigt haben.“ (Euro­tao­is­mus. Zur Kri­tik der poli­ti­schen Kine­tik, edi­ti­on suhr­kamp NF Bd.450 S.218f)

Wiki­pe­dia-Arti­kel: Walt­her Rathenau

Krieg und Klima

Swit­la­na Kra­kow­s­ka, Ukrai­ni­sche Kli­ma­wis­sen­schaft­le­rin, Mit­glied der IPCC-Arbeits­grup­pe II (IPCC-Sach­stands­be­richt AR6)

„Wir wer­den in der Ukrai­ne nicht kapi­tu­lie­ren. Und wir hof­fen, die Welt wird nicht vor der Auf­ga­be kapi­tu­lie­ren, eine kli­ma­re­si­li­en­te Zukunft zu schaffen.

(zitiert nach Nao­mi Klein: Toxi­sche Nost­al­gie. Putin, Trump und der bren­nen­de Pla­net, in: Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­na­le Poli­tik, 4/22, S. 114–112, S. 112)

Dummheit

Diet­rich Bon­hoef­fer in „Wider­stand und Erge­bung“ (Brief und Auf­zeich­nun­gen aus der Haft)

„Dumm­heit ist ein gefähr­li­che­rer Feind des Guten als Bos­heit. Gegen das Böse läßt sich pro­tes­tie­ren, es läßt sich bloß­stel­len. es läßt sich not­falls mit Gewalt ver­hin­dern, das Böse trägt immer den Keim der Selbst­zer­set­zung in sich, indem es min­des­tens ein Unbe­ha­gen im Men­schen zurück­läßt. Gegen die Dumm­heit sind wir wehr­los. Weder mit Pro­tes­ten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas aus­rich­ten; Grün­de ver­fan­gen nicht; Tat­sa­chen, die dem eige­nen Vor­ur­teil wider­spre­chen, brau­chen ein­fach nicht geglaubt zu wer­den – in sol­chen Fäl­len wird der Dum­me sogar kri­tisch -, und wenn sie unaus­weich­lich sind, kön­nen sie ein­fach als nichts­sa­gen­de Ein­zel­fäl­le bei­sei­te­ge­scho­ben werden.“

Anläß­lich bestimm­ter Situa­tio­nen „gewinnt man weni­ger den Ein­druck, daß die Dumm­heit ein ange­bo­re­ner Defekt ist, als daß unter bestimm­ten Umstän­den die Men­schen dumm gemacht wer­den bzw. sich dumm machen las­sen. Wir beob­ach­ten wei­ter­hin, daß abge­schlos­sen und ein­sam leben­de Men­schen die­sen Defekt sel­te­ner zei­gen als zur Gesel­lung nei­gen­de oder ver­ur­teil­te Men­schen und Men­schen­grup­pen. So scheint Dumm­heit viel­leicht weni­ger ein psy­cho­lo­gi­sches als ein sozio­lo­gi­sches Pro­blem zu sein. Sie ist eine beson­de­re Form der Ein­wir­kung geschicht­li­cher Umstän­de auf den Men­schen, eine psy­cho­lo­gi­sche Begleit­erschei­nung bestimm­ter äuße­rer Ver­hält­nis­se. Bei genaue­rem Zuse­hen zeigt sich, dass jede star­ke äuße­re Macht­ent­fal­tung, sei sie poli­ti­scher oder reli­giö­ser Art, einen gro­ßen Teil der Men­schen mit Dumm­heit schlägt.“

„Daß der Dum­me oft bockig ist, darf nicht dar­über hin­weg­täu­schen, daß er nicht selb­stän­dig ist. Man spürt es gera­de­zu im Gespräch mit ihm, daß man es gar­nicht mit ihm selbst, mit ihm per­sön­lich, son­dern mit über ihn mäch­tig gewor­de­nen Schlag­wor­ten, Paro­len etc. zu tun hat. Er ist in einem Ban­ne, er ist ver­blen­det, er ist in sei­nem Wesen miß­braucht, miß­han­delt. So zum wil­len­lo­sen Instru­ment gewor­den, wird der Dum­me auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfä­hig, dies als Böse zu erken­nen. Hier liegt die Gefahr des dia­bo­li­schen Miß­brau­ches, dadurch wer­den Men­schen für immer zugrun­de gerich­tet wer­den können. […]

Es wird wirk­lich dar­auf ankom­men, ob Macht­ha­ber sich mehr von der Dumm­heit oder von der inne­ren Selb­stän­dig­keit und Klug­heit der Men­schen versprechen.“

(Diet­rich Bon­hoef­fer: Wider­stand und Erge­bung, Kai­ser-Taschen­bü­cher 100, Güters­loh 16. Aufl. 1997, S. 15–17, an der Wen­de zum Jahr 1943)

Klimawandel

Harald Wel­zer: Nach­ruf auf mich selbst, S. Fischer Ver­lag 2021.

„Eine Kul­tur, die wie unse­re ihre eige­nen Vor­aus­set­zun­gen kon­su­miert, muss im Irr­tum sein.“ S. 15

Sind Erd­er­hit­zung, mas­sen­haf­te Flucht und Migra­ti­on und Arten­ster­ben Kri­sen? „Nein, wir müs­sen ler­nen, dass wir es nicht mit Kri­sen zu tun haben, son­dern mit sich ent­fal­ten­den Ereig­nis­ket­ten, nach denen es nicht in einen sta­tus quo ante zurück­geht.“ S. 101

„Wo an der einen Stel­le der Welt der Kli­ma­wan­del Anlass für Par­ty­ge­sprä­che ist, ist er an einer ande­ren schon eine Todes­ur­sa­che.“ S. 126

„Man könn­te sagen, seit es den Wachs­tums­ka­pi­ta­lis­mus gibt, befin­den wir uns in einem lan­gen Dis­put mit den Natur­ver­hält­nis­sen, aber der war 200 Jah­re lang ein­sei­tig. Nur wir haben gespro­chen. Seit einem hal­ben Jahr­hun­dert bekom­men wir erst­mals Ant­wor­ten, und sie fal­len des­to lau­ter und deut­li­cher aus, je län­ger wir uns wei­gern zuzu­hö­ren.“ S. 116

Aus dem Buch von Lui­sa Neu­bau­er und Bernd Ulrich: Noch haben wir die Wahl. Ein Gespräch über Frei­heit, Öko­lo­gie und den Kon­flikt der Genera­tio­nen, Stutt­gart: Tro­pen Sach­buch 2021. 

„Der aus­ge­trock­ne­te Boden wird nicht eigen­stän­dig von sei­ner man­geln­den Frucht­bar­keit berich­ten oder die vom Aus­ster­ben bedroh­te Art von ihrer Exis­tenz­angst.“ – Lui­sa Neu­bau­er (S. 58)

„Wir haben welt­weit etwa 70 Mil­li­ar­den Nutz­tie­re, die wir anschei­nend pro­blem­los ernäh­ren kön­nen, aber acht Mil­li­ar­den Men­schen sol­len zu viel sein?“ – Bernd Ulrich (S. 200)

„…die auto­mo­bi­le Frei­heit in der Stadt bedeu­tet bedeu­tet Unfrei­heit für die Kin­der, die Eltern, die Rad­fah­rer, die Kran­ken und die Lang­sa­men“. – Lui­sa Neu­bau­er (S. 190)

Gespräch von Jago­da Mari­nic und Bernd Ulrich auf hr2

Dar­in sagt Bernd Ulrich:

„Wir haben eine gro­ße Kri­se im Mensch-Natur-Ver­hält­nis: sie ist exis­ten­zi­ell, sie ist gefähr­lich, sie ist nicht spä­ter, son­dern jetzt, sie ist nicht woan­ders, son­dern über­all, sie ist sinn­lich, sie ist tele­gen, sie erzeugt stän­dig Ereig­nis­se, die Mit­tel zur Lin­de­rung die­ser Kri­se lie­gen alle vor, wenn man sie anwen­den wür­de, wären die Ver­än­de­rungs­schmer­zen, die damit ver­bun­den wären, noch – wenn man jetzt damit anfängt – in einem über­schau­ba­ren Maße. Das ist das, was wir haben. Und trotz­dem tut man nicht das, was so offen­sicht­lich ist und rela­tiv noch leicht zu machen. Eine Gesell­schaft muss ja unfass­bar viel tun, um die­sen Wider­spruch aus­zu­hal­ten. Das heißt, wir müs­sen eine gigan­ti­sche Ver­drän­gungs­kul­tur in uns tra­gen, aus­tra­gen, mit uns tra­gen, in unse­ren Gesprä­chen, in unse­rer Poli­tik, damit die­ser Wider­spruch über­haupt mög­lich ist.“

Ähn­lich in der ZEIT:

„Die Kri­se im Mensch-Natur-Ver­hält­nis ist dra­ma­tisch und exis­ten­zi­ell, sie ist nicht spä­ter, son­dern jetzt, sie ist nicht woan­ders, son­dern über­all, sie beein­flusst alle Berei­che des mensch­li­chen Lebens, sie ist sinn­lich, sie ist tele­gen, sie ist inter­es­sant und litera­bel; zugleich lie­gen alle kul­tu­rel­len und tech­ni­schen Mit­tel zur Lin­de­rung der Kri­se in greif­ba­rer Nähe; und wür­de man sie rasch und durch­grei­fend anwen­den, dann hiel­ten sich sogar die unver­meid­ba­ren Ver­än­de­rungs­schmer­zen in Gren­zen; eine post­de­struk­ti­ve Welt könn­te sehr lebens­wert sein.“ Bernd Ulrich DIE ZEIT 43/2021

Zukunft

„Und eines Tages wird sich die Mensch­heit für die gro­ßen Wer­ke, die sie zu ihrer Erleich­te­rung geschaf­fen hat, auf­ge­op­fert haben.“
Karl Kraus: Apho­ris­men, suhr­kamp taschen­buch 1318 S. 70

„Die Zukunft ist schon da, sie ist nur ungleich verteilt.“
Wil­liam Ford Gibson

„In gewis­sem Sinn ist die Welt ein Kran­ker, der glaubt, er müs­se in Kür­ze gesun­den oder bald ster­ben, und dem es nicht in den Sinn kommt, daß er krän­kelnd ein hohes Alter errei­chen könnte.“
Sta­nis­law Lew, zit. nach „Die Zeit“ 1995 Nr.32 S. 23

„Die Zukunft des Men­schen steht auf dem Spiel; sie ist gesi­chert, sobald nur genü­gend Men­schen sich die­ser Ein­sicht nicht verschließen.“
Bert­rand Rus­sell: Moral und Poli­tik, Mün­chen 1972

Leben

von Fjo­dor M. Dostojewski

„Und das Leben mehr lie­ben als den Sinn des Lebens?“, fragt Iwan sei­nen Bru­der Aljoscha. „Unbe­dingt so …“, ant­wor­tet dieser.
Dos­to­jew­ski: Die Brü­der Kara­ma­s­off, Mün­chen 1952, übers. von E. K. Rah­sin S. 374.

„Wie, wenn ich nicht zu ster­ben brauch­te! Wenn ich ins Leben zurück­keh­ren könn­te – welch eine Unend­lich­keit täte sich da vor mir auf! Und alles das wäre mein! Ich wür­de aus jeder Minu­te eine gan­ze Ewig­keit machen, ich wür­de nichts ver­lie­ren, wür­de jeden Augen­blick zäh­len, kei­nen ein­zi­gen nutz­los ver­geu­den! Er sag­te, die­ser Gedan­ke habe ihn zuletzt in eine der­ar­ti­ge Wut gebracht, daß er schließ­lich wünsch­te, man möch­te ihn doch schnel­ler totschießen.“
Der Fürst in Dos­to­jew­skis Roman Der Idi­ot, Mün­chen (dtv 2011), 1976, über­tra­gen v. Arthur Luther, S. 82.

Ich habe mir einen inter­es­san­ten Dia­log auf dem Markt notiert: «Wir dach­ten, du wärst schon gestorben!»
«Sehe ich so aus, als ob ich noch lebe?»
Poli­na Scher­eb­zowa: Poli­nas Tage­buch, Ein­trag vom 18. März 1999 [Markt von Gros­ny], Ber­lin 2015 S. 226

Man­che leben mit einer so erstaun­li­chen Rou­ti­ne, daß es schwer fällt zu glau­ben, sie leb­ten zum ers­ten Male.
Sta­nis­law Jer­zy Lec: Sämt­li­che unfri­sier­te Gedan­ken, hg.v. Karl Dede­ci­us, Mün­chen 1982, a.O. S. 99

„jeder [muss] im Leben den Kno­chen fin­den […], an dem er nagen möchte“
Cata­lin Dori­an Flo­res­cu: Der blin­de Mas­seur, Piper 5483, Mün­chen 2009, S. 222

Aus dem Buch von Juli Zeh: Über Menschen

Sie machen eine Par­ty, um die ein­zi­ge Wahr­heit zu fei­ern, die es gibt: dass sie alle hier und jetzt gemein­sam auf die­sem Pla­ne­ten sind. Als Exis­tenz­ge­mein­schaft. Sit­zend oder ste­hend, schwei­gend oder redend, trin­kend und rau­chend, wäh­rend die Erde sich dreht, die Son­ne sinkt und das Feu­er her­un­ter­brennt. (S.355)

Auch Lan­ge­wei­le und schlech­te Lau­ne kön­nen ein Stück Hei­mat sein. (S. 400)

Aber Gote ist ein­fach nicht ver­schwun­den, unge­ach­tet der mise­ra­blen Über­ein­stim­mungs­wer­te. Er blieb, wo er war. Irgend­wann begriff Dora, dass es mit die­sem Da-Sein und Da-Blei­ben etwas auf sich hat. Man kann es tei­len. Gotes Dasein hat sich ihr mit­ge­teilt. Er hat es mit ihr geteilt. Am Ende haben sie gemein­sam exis­tiert. Ver­bun­den durch die Mau­er, die sie trenn­te. (S. 404)

Juli Zeh: Über Men­schen, Mün­chen: Luch­ter­hand, 2021

Zeit

„Gründ­lich lehrt jeden alles, wird sie alt, die Zeit.“ – Aischy­los: Der gefes­sel­te Pro­me­theus 982, in Tra­gö­di­en und Frag­men­te, hg. u. übers. v. Oskar Wer­ner, Tübin­gen 3.1980 S. 471

„Gewin­ne dich dir selbst und die Zeit, die dir bis jetzt ent­we­der weg­ge­nom­men oder ent­wen­det wur­de oder ein­fach ver­lo­ren­ging, hal­te zusam­men und behü­te.“ – Sene­ca, 1. Brief an Lucilius

„Das Leben nimmt den Men­schen sehr viel Zeit weg.“ – Sta­nis­law Jer­zy Lec: Sämt­li­che unfri­sier­te Gedan­ken, hg.v. Karl Dede­ci­us, Mün­chen 1982, S. 25

Bücher

„Ich glau­be, man soll­te über­haupt nur sol­che Bücher lesen, die einen bei­ßen und ste­chen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faust­schlag auf den Schä­del weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glück­lich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glück­lich wären wir eben auch, wenn wir kei­ne Bücher hät­ten, und sol­che Bücher, die uns glück­lich machen, könn­ten wir zur Not selbst schrei­ben. Wir brau­chen aber die Bücher, die auf uns wir­ken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lie­ber hat­ten als uns, wie wenn wir in Wäl­der vor­sto­ßen wür­den, von allen Men­schen weg, wie ein Selbst­mord, ein Buch muß die Axt sein für das gefro­re­ne Meer in uns.“ (Franz Kaf­ka: Brief im Janu­ar 1904 an Oskar Pollak, Kunst­his­to­ri­ker und Jugend­freund Kafkas)

„Bücher ver­lang­sa­men alles.“ (Neil Post­man, Das Ver­schwin­den der Kind­heit, Fischer TB 3855, Frank­furt 1987, S. 134)

„Mei­ne Woh­nung ist voll von Büchern, die mir erlau­ben, zwi­schen ihnen zu leben.“ (Cees Noote­boom: Die fol­gen­de Geschich­te, st 3405, S. 14)

Die Welt

Von Sta­nis­law Jer­zy Lec

„Ich weiß nicht, wer die Welt geschaf­fen hat,
ich weiß, wer sie ver­nich­ten wird.“

„Die Welt bevöl­kern ist leicht.
Sie zu ent­völ­kern ist leicht.
Also, was ist schwer?“

„Ver­sprecht euch nicht zu viel vom Ende der Welt.“

Sta­nis­law Jer­zy Lec: Sämt­li­che unfri­sier­te Gedan­ken, hg.v. Karl Dede­ci­us, Mün­chen 1982, S. 286 – S. 37 – S. 340