Wie konnte das geschehen?
Götz Aly hat eine Summe aus seinen Arbeiten zum Nationalsozialismus gezogen und unter der virulent bleibenden Fragestellung „Wie konnte das geschehen?“ ein grundlegendes Werk verfasst. Dabei geht er primär chronologisch vor, wie schon der Untertitel Deutschland 1933 bis 1945 signalisiert. Aly analysiert, mit welchen Motiven und vor allem Methoden Hitler und seine Gefolgsleute das Volk motivieren konnten, ihrer Ideologie zu folgen, an Kriegen teilzunehmen und den Holocaust zu tolerieren und mit zu betreiben.
Er verfolgt also die Entwicklung bis hin zur endgültigen Niederlage. Damit entsteht ein Überblick über die Geschichte des Nationalsozialismus als Ganzem. Der Leitfaden ist seine titelgebende sozialpsychologische Grundfrage.
Da sich durch die historische Darstellungsweise jedoch die einzelnen Antworten auf die zentrale Frage über das Buch verteilen, möchte ich versuchsweise diese Antworten als Gliederung einer Inhaltsangabe verwenden. Etwa sechs Faktoren lassen sich aus Alys Ausführungen herausdestillieren, die psychologisch wirksam waren. Es konnte geschehen
- weil eine „Volksgemeinschaft“ erfahrbar wurde,
- weil die Ideologie von Rassismus und Nationalismus als Rechtfertigung für Vieles dienen konnte,
- weil das Gefühl hervorgerufen wurde, an einer jungen dynamischen Bewegung teilzunehmen,
- weil viele Deutsche Teil bekamen an beruhigenden sozialen Sicherheiten und materiellen Vorteilen,
- weil ein mitreißendes kulturelles Programm geboten wurde,
- wegen der Passivität der Vielen.
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1. Volksgemeinschaft
Der Nationalismus blieb kein theoretisches Konstrukt, sondern war erlebbar als „Volksgemeinschaft“. Ein großes „Wirgefühl“ konnte entstehen, auch da, wo zuvor die Gegensätze dominierten. Die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront (DAF) initiierte viele Veranstaltungen, die „den Werksstolz und die Werkverbundenheit“ weckten, so dass sich Unternehmer und Angestellte menschlich näher kamen. „Zusammen mit dem Reichseintopftag, dem Reicharbeitsdienst, der Wiedereinführung der Wehrpflicht und auch der staatlichen Jugendorganisation entstand an verschiedenen gesellschaftlichen Orten eine zumindest gefühlte Volksgemeinschaft“ (S. 152), in der Unterschiede abgeschwächt oder relativiert wurden.
Ständig wird das Volk beschworen: „vom Volksgeist über Volkswagen bis zum Volkssturm, von der Volksgasmaske bis zum Volkswohl, von der Volksaufklärung über den Volksempfänger bis zum Volksvermögen.“ (S. 240) Nichts sollte das große Wir aufteilen, auch nicht die beiden großen Kirchen. Es wurden konfessionsübergreifende Gemeinschaftsschulen eingerichtet. Die Einzelgewerkschaften wurden „elegant eingegliedert“ (S. 141).
Dagegen galt das Judentum als natürlicher Feind, weil es „Entheimatung“ sei (so der Theologe Paul Althaus, S. 106), kosmopolitische Neigungen pflegte, die der Volkszentriertheit zuwider liefen.
Nach Kriegsbeginn und erst recht nach den Deportationen der Juden konnte die Idee der gemeinsamen Schuld und die damit verbundene Erwartung von Rache durch die Kriegsgegner nicht nur im Einzelnen aufkeimen, sondern diese Angst wurde von Joseph Goebbels geradezu instrumentalisiert. Er war der Schöpfer des Begriffes „Kollektivschuld“ (S. 461) und prägte die Formel „Kraft durch Furcht“ (S. 641)! In der Endphase (ab 1942) wurden die Deportationen bewusst öffentlich durchgeführt. Damit sollte jeder Teil am grausamen Geschehen haben. Die Angst vor der Rache wurde angesichts der deutschen Gräueltaten übergroß (s. S. 516). Goebbels frohlockt, dass er die „Radikalisierung und Totalisierung unserer Kriegsführung“ erfolgreich vorangetrieben habe (S. 544).
Und die, die sich kurz vor dem Kriegsende dem sinnlosen Kämpfen und Töten entgegenstellten, mussten eine fanatische „Justiz“ und gnadenlose Hinrichtung befürchten (und/oder erleiden).
Wie konnte das geschehen? Durch die geschickte, und auch tatsächlich erfahrbare Schaffung eines starken Wir, das mit einem durch Abstammung definierten „Volk“ identisch sein sollte. Dies konnte als Aufwertung und auch als Aufgabe erfahren werden: „Eine große Zeit verlangt ein großes Volk. Beweist, dass ihr ein großes Volk seid!“ rief Göhring im Berliner Sportpalast am 28.10.1936 (S. 225).
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Bücher von Aly, Welzer, Browning
2. Rassismus
Die Idee und das Empfinden einer Volksgemeinschaft wurden verstärkt durch die Ideologie der „völkischen Reinheit“ (S. 104). Schon 1923 war ein Lehrstuhl für Rassenhygiene eingerichtet worden. Die Nürnberger Gesetze von 1935 überführten diese Ideen spürbar in die gesellschaftliche Wirklichkeit. Die Überschrift lautete: „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“. Es richtete sich explizit gegen die Juden.
Aly zeigt auf, dass eine wesentliche Triebfeder für den Judenhass Neid und ein Unterlegenheitsgefühl waren. Er zitiert Theodor Heuss, der bereits 1931 in seinem Buch „Hitlers Weg“ konstatierte, die nationalsozialistische Rassenlehre folge einem „erstaunlichen Minderwertigkeitsgefühl“. „Sie vergotte die Arier »als die Krone der Schöpfung«, um »ein Manko zu verdecken«“ (S. 58 mit Zitat von Heuss). Juden hatten statistisch einen klaren „Bildungsvorsprung“ (S. 55). Allerdings verringerte sich dieser. Ihre „Konkurrenten fanden das politische Angebot attraktiv, sich mit staatlicher Hilfe jener Positionen zu bemächtigen, die Juden erfolgreich aufgebaut hatten und noch innehatten“ (S. 57). Dies leitet zum nächsten Punkt über:
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3. Junge Bewegung und sozialer Aufstieg
„Mit Vorliebe umwarb die NSDAP Jugendliche und junge Erwachsene.“ (S. 96) Die Jahrgänge bis 1914 waren sehr stark gewesen und die nun jungen Männer waren wegen des 1. Weltkrieges oft vaterlos aufgewachsen. Bei ihnen fand sich „Empörergeist und Bereitschaft zur Unterordnung“ gleichzeitig (S. 99). „Das Durchschnittsalter der neu [in die NSDAP] Eingetretenen lag 1927 bei 25 Jahren“ (S. 98f). Die forcierte Dynamik hielt die junge Bewegung in Schwung. Immer war von Neuem, der Zukunft, der Aktion, der Beschleunigung die Rede. „Schnelligkeit galt Joseph Goebbels … als »Mutter des Erfolges«“ (S. 17). „Aktion, Aktion, Aktion: Leben wie im Kino“ überschreibt Aly das Kapitel über das Jahr 1938 mit dem „Anschluss“ Österreichs bis zum Münchner Abkommen (S. 243). Das „Herrschaftsmittel Tempo / Beschleunigung / Hochspannung“ zieht sich durch die Zeit der NS-Herrschaft (S. 656).
Soziale Not und Arbeitslosigkeit hatten viele der Gau- und Ortsgruppenleiter der NSDAP selbst erlebt. Sogar bei Dr. Joseph Goebbels war 1929 der Gerichtsvollzieher zur Pfändung gewesen (S. 119). Die junge Bewegung versprach sozialen Aufstieg und soziale Absicherung. Und sorgte tatsächlich dafür.
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Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2026.
4. Soziale Sicherung
Man muss, durch Aly informiert, konzedieren, dass das „sozialistisch“ im Namen der Bewegung nicht nur taktisch motiviert war. Vielmehr kam es sofort zu Sozialgesetzgebungen in Serie: Der Schutz vor Pfändungen, wovon auch Bauernhöfe profitierten, wird festgeschrieben (S. 120–122), ebenso der Schutz der Mieter vor Kündigungen bei Zahlungsschwierigkeiten (S. 120 und 125), die Urlaubstage werden mehrfach vermehrt (S. 172), der 1. Mai zum gesetzlicher Feiertag erklärt, die Heimarbeiter*innen erhalten Unterstützung (S. 126f). Die Steuerreform von 1934 entlastet bereits die Familie; 1935 wird zudem das Kindergeld eingeführt (S. 231). 1941 wird erstmals eine Krankenversicherung für Rentner etabliert (S. 453f). Körperliche Arbeitende erhalten größere Lebensmittelrationen (S. 82).
Infolgedessen stieg der wirtschaftliche Optimismus und dementsprechend auch die Geburtenrate (S. 233f).
Heikel musste, wenn man zudem die Kosten der massiven Aufrüstung seit 1935 mitbedenkt (S. 259), die Finanzierung all dieser Ausgaben sein. Einen gewissen Anteil hatten die Unternehmen und Aktiengesellschaften zu leisten. Das „Anleihestockgesetz“ vom Dezember 1934 zwang die Aktiengesellschaften, „die Dividendenausschüttungen zu begrenzen und die Überschüsse in einem staatlichen Anleihestock festverzinslich anzulegen“ (S. 173). Die Zinsen wurden wenig später gedrosselt und die für die Anlage waren zwar Gutscheine ausgegeben worden, die aber erst 1941 bzw. dann „nach Kriegsende“ sollten eingelöst werden können (S. 174).
Entsprechende Maßnahmen zogen sich durch die Zeit der NS-Herrschaft: Verdoppelung der Körperschaftssteuer in den Jahren 1937–1940 (S. 232), 1942 eine Ablösung der Hauszinssteuer für die nächsten 10 Jahre trotz Mietpreisstopps (!), die dem Staat 8,1 Mrd. Reichsmark von den Hausbesitzern einbrachte (ebd.) und schließlich die Abgabe des „Zwangsarbeiterlohns“ auf ein „Sperrkonto“ (S. 453).
Mit Letzterem ist aber schon angedeutet, wie sich das NS-Regime vor allem finanzierte: durch Raub, Enteignung und Ausbeutung (S. 254–271). Die Verschuldung des NS-Staates stieg bis 1938 in atemberaubende Höhen. Durch den Anschluss Österreichs fielen der Reichsbank Gold und Devisen in beträchtlicher Höhe zu (S. 257f). Thomas Mann vermutete sogar, dass die „Confiscation der jüdischen Vermögen“ ein „Hauptgrund für die Eroberung Österreichs gewesen zu sein scheint“ (S. 261).
Dazu kam aber die Enteignung sowohl der emigrierenden als auch der deportierten Juden. Mit einer Verordnung vom 26. April 1938 mussten alle Juden ihr gesamtes Vermögen gegenüber den Finanzämtern deklarieren. Es wurde bis November 1941 enteignet (S. 260) und spülte 7,4 Milliarden Reichsmark in die Kassen.
Nach dem Pogrom vom 9./10. November 1938 verhängte die Reichsregierung die bösartig so bezeichnete „Judenbuße“ von einer Milliarde Reichsmark (S. 267). Zu diesem Zeitpunkt bestand die Möglichkeit, dass das Reich zahlungsunfähig wurde. „Die Regierung benötigte Geld und nochmals Geld. Sie mogelte sich ständig am Staatsbankrott entlang.“ (S. 270)
Schon in seinem Buch „Hitlers Volksstaat“ von 2005 hatte Goetz Aly nachgewiesen, wie sehr die sozialen Wohltaten und die Aufrüstung das Reich finanziell überfordert hätten, wenn es nicht in den ausgreifenden Eroberungen und dem Raub an den Juden immer weiter fortgefahren wäre. Zum Gesamtbild der Mittelbeschaffung gehört auch, dass die Soldaten Raubgut nach Hause senden bzw. mitbringen durften (wovon auch ansonsten als integer betrachtete Personen gerne profitierten, vgl. S. 332) und schließlich der Raub an Land und Agrarprodukten, der etwa die Bereitschaft und die erklärte Entscheidung einschloss, Hunderttausende von sowjetischen Kriegsgefangenen verhungern zu lassen. Aly spricht von der „blutigsten Konkursverschleppung der Weltgeschichte“ (S. 652).
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5. (Brot und) Spiele
Zu den sozialen Wohltaten gesellte sich der sehr bewusste und gekonnte Einsatz von Unterhaltung. Vom Programm „Kraft durch Freude“ und der Förderung des Sportes, der Film- und Musikbranche über die Wochenschauen mit ihrer Propaganda bis hin zu pompösen Festen mit Fahnen und Aufmärschen war für Unterhaltung gesorgt. Diverse Organisationen wie BDM, Flieger-HJ etc. profitierten von einem von der Partei „betreuten Pluralismus“ (S. 310). Es sollte dem Volk auch an Tabak, Kaffee und Alkohol nicht mangeln. Goebbels war wichtig, das Volk „bei guter Laune zu erhalten; denn die Laune ist wirklich kriegsentscheidend“ (S. 451 als Zitat von Goebbels).
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6. Passivität der Vielen
Warum sich so wenige zum Widerstand aufraffen konnten, erklärt sich z.T. durch die beiden vorangegangenen Faktoren. Dazu kommt, dass zunächst für viele die Kombination aus „Glanz, Ordnung, Frieden“ (S. 250 als Zitat von Viktor Klemperer) durchaus attraktiv war. Es schien ja gut zu gehen. Immerhin gingen außenpolitisch sechs Jahre ohne Blutvergießen ins Land, so dass von Hitler als dem „General Unblutig“ gesprochen werden konnte (S. 303). Dabei wurde verkannt, dass Hitler den großen Krieg wollte und (finanziell) „brauchte“. Zunächst handelte es sich also durchaus um eine „Zustimmungsdiktatur“, die aber seit 1939 langsam und seit Mitte 1941 schnell bröckelte und „ein von der Propaganda verfestigtes Gefühl der Ausweglosigkeit, der Ohnmacht und der Angst vor einem Schrecken ohne Ende die Oberhand“ gewann (S. 567f).
Geschickt waren auch potenzielle Gegner geschwächt worden. Exemplarische Verhaftungen wirkten früh „generalpräventiv“ (S. 667). Hitler hielt insgesamt das Zentrum für den mächtigsten Gegner und so „aktivierten Hitler und Goebbels 1935 den antikatholischen Kirchenkampf“ (S. 199f). Sie konnten dabei die Sittlichkeitsprozesse gegen katholische Ordensangehörige und Priester nutzen, sowohl was Fälle von (damals und noch lange strafbarer) Homosexualität als auch Kindesmissbrauch betrifft. Die Staatsanwälte verfolgten „– gewissermaßen auf Knopfdruck – in allen deutschen Provinzen einzelne Fälle exemplarisch“ (mit Schwerpunkt im katholischen Westen), wobei Verfahren teils in der Schwebe gehalten wurden, „um den Druck aufrechtzuerhalten“ (S. 201).

Harald Welzer: Täter, Frankfurt: S. Fischer Verlag, 2005.
Christopher Browning: Ganz normale Männer, Reinbek: Rowohlt Verlag 1996, Erstauflage 1992.
Zusammenfassung
Mit meiner Form der knappsten Zusammenfassung habe ich die chronologische Darstellung systematisiert im Blick auf die Grundfrage: Wie konnte das geschehen?
Es konnte geschehen, weil die Führer einer jungen, dynamischen, ideologisierten Bewegung geschickt auf der psychologischen Klaviatur menschlicher Gefühle zu spielen vermochten.
Sie verstanden es, das Bedürfnis nach einem solidarischen Wirgefühl unter den Angehörigen des deutschen Volkes zu fördern und zu nutzen. Dieses „Wir“ wurde gestärkt durch die Abgrenzung von den „Anderen“, zu denen die Juden gerechnet wurden, die als potentiell verräterisch (internationale Verbindungen) betrachtet wurden.
Zudem neidete man den Juden ihren Erfolg und als die NS-Führung es gerechtfertigt erscheinen ließ, vom Hab und Gut der Juden zu profitieren, widerstanden nur wenige. Die Bevölkerung spürte den Aufschwung und war dankbar für die sozialen Wohltaten. Sie konnte dabei verdrängen, dass die Führung all dies mit Unrecht (Raub, Enteignung) ermöglichte und ein großer Krieg fest eingeplant war, um Land im Osten zu kolonisieren.
Die Zustimmungsraten sanken mit Beginn des Krieges, wofür Aly fünf Indikatoren anführt: „1. Die Häufigkeit der Vornamen Adolf, Horst und Hermann; 2. Die Häufigkeit der … Kirchenaustritte; 3. die Wortwahl in den Anzeigen für die Gefallenen; 4. das Sparverhalten; 5. Die Anzahl der Todesurteile, die aus politischen Gründen gegen Altreichsdeutsche gefällt wurden.“ (S. 295) Doch diese abnehmende Zustimmung zum Regime kam zu spät. Denn gleichzeitig nahm die unvermeidliche Angst der deutschen Bevölkerung vor der unausweichlich erscheinenden Rache der Alliierten zu und konnte den immer verzweifelteren Siegeswillen aufrecht erhalten.
Ideologie versus Materialismus
Götz Aly wurde schon früher vorgeworfen, er sei ein „engstirniger Materialist“ (so Hans-Ulrich Wehler in einer Rezension im Spiegel 14/2004), weil er die ideologische Basis der Entscheidungen Hitlers als weniger relevant erachte als ökonomische und militärische Aspekte. Nun zeigten aber auch andere Forscher und Götz Aly aufs Neue auf, wie sehr die finanzielle Notlage und die Entschlossenheit zum großen Krieg und Raubzug (!) jeweils aufs Neue brutales Vorgehen nach sich zogen.
Dass aber Hitler und Goebbels kein Zögern in der Entscheidung für brutales Vorgehen zeigten, war nur möglich, weil diese Bereitschaft zu Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorbereitet war durch ideologische Grundüberzeugungen, und zwar rassistischer, ethnozentrischer und biologistischer Natur. Und Hitler kann auch als Paradebeispiel dessen gelten, was heute als „toxische Männlichkeit“ bezeichnet wird. Hitler hält das „Volk ist in seiner überwiegenden Mehrheit“ für so „feminin veranlagt und eingestellt, daß weniger nüchterne Überlegung als vielmehr gefühlsmäßige Empfindung sein Denken und Handeln bestimmt“. Er spricht von „lächerlichen wie zwecklosen Wohlfahrtsduseleien“. Er fordert „brutale Entschlossenheit in der Niederbrechung unverbesserlicher Auswüchslinge“. Die „sogenannte Humanität“ gilt ihm „als Ausdruck einer Mischung von Dummheit, Feigheit und eingebildetem Besserwissen“. Er postuliert die Notwendigkeit einer „fanatischen Weltanschauung“, einer „neuen Weltanschauung von stürmischem Eroberungswillen“ (Zitate aus Mein Kampf). Dies ist die ideologische Grundhaltung, die der Barbarei gegen Juden, weitere Bevölkerungsgruppen und dann auch gegen Kriegsgegner den Boden bereitet.
Der Wille zu brutaler Entschlossenheit zieht sich wie angekündigt durch die Zeit seiner Herrschaft, so dass er sehr bereit ist, Raubzüge und Massenmorde zu begehen.
Da Götz Aly an der Reaktion des Volkes interessiert ist, spielen diese Aspekte in seinem Buch verständlicherweise eine untergeordnete Rolle.
Adam Tooze hat in einer Rezension zu Alys Buch Hitlers Volksstaat zur Einordnung vorgeschlagen, zwei Achsen zu unterscheiden: ideologisch versus ökonomisch, elitenorientiert versus volksorientiert.

In diesem Koordinatensystem wäre Alys Deutung im rechten oberen Quadranten einzuordnen: Er betont die materialistische Haltung und den materiellen Vorteil weiter Teile der Bevölkerung.
Tatsächlich thematisiert Aly nicht, wie Hitler zu seinen völkischen, biologistischen, rigoristischen Haltungen und zu seinen propagandistischen Fähigkeiten gelangt ist. Natürlich könnte die Frage Wie konnte das geschehen? auch nach Erklärungen auf diesen Gebieten suchen.
Was treibt Hitler an? In Mein Kampf beschreibt er, wie er von Jugend an sich als Deutscher in Österreich fühlte. Das Deutschtum spielte für ihn die entscheidende Rolle: Die Nationalhymne „Deutschland, Deutschland über alles“ zitiert er ständig. Dieses Empfinden der Zugehörigkeit zum deutschen Volk scheint biographisch am Anfang zu stehen, dann wird dies durch Rassedenken und das Schlagwort Kampf ums Dasein angesichts der von ihm vorausgesagten Übervölkerung und zunehmenden Nahrungsmittelknappheit überformt. Hinzu tritt der entschlossene Wille zu Härte und Brutalität und das Wissen um die Wirkung von Fanatismus und Propaganda.
Dass Aly die ideologische Komponente nicht völlig ignoriert, ist allerdings evident. Er zitiert schließlich auch Kirchenleute, die Hitler ideologisch weit folgten, insbesondere die Deutschen Christen (vgl. S. 168), aber er würde sicher nicht so weit gehen, mit Daniel J. Goldhagen von der Mehrheit der Deutschen als „willigen Vollstreckern“ zu sprechen. Im Anschluss an seine Darstellung könnte man vielleicht von manipulierten und materiell bestochenen Deutschen sprechen.
Hitler wollte natürlich ideologische Kampfgefährten bzw. Gefolgsleute, allerdings wusste er um die zu erwartenden Mitläufer und ließ deshalb bereits vom 2. Mai 1933 an für vier Jahre keine weiteren Parteibeitritte zu. Gegenüber der breiten Masse aber setzte er, sozialpsychologisch und rhetorisch gekonnt, seine von ihm selbst hochgeschätzten Propaganda-Methoden ein.
So gelangen wir zu einem neuen Schaubild:

Hitler war ideologiegetrieben. Und er hat natürlich nicht nur über materielle Wohltaten sondern auch durch ideologisch effektive Propaganda gewirkt. Die rassistische Ideologie konnte den Deutschen, die von Enteignungen von Juden profitierten, das Gewissen etwas entlasten.
In diesem Schaubild ist noch die Theorie eingetragen, auf die Adam Tooze ebenfalls hinweist: es sei das Kapital gewesen, das den Faschismus als Werkzeug nutzte. Das ist allerdings nicht plausibel. Wie u. a. David de Jong in seinem Buch Braunes Erbe aufgezeigt hat, wurden die Großindustriellen tatsächlich schnell „willige Helfer“, waren aber eben (überwiegend) nicht die ursprünglichen Betreiber des Faschismus. Hitler brüskierte sie bei einem ersten Treffen nach der Machtergreifung am 20. Februar 1933, indem er verspätet kam, eine neunzigminütige Rede hielt und kein Gespräch zuließ. Es waren „zwei Dutzend der vermögendsten und einflussreichsten Geschäftsmänner“ (S. 11) der Einladung gefolgt, unter ihnen Günther Quandt, Friedrich Flick, August Baron von Finck, Kurt Schmitt und Gustav Krupp. Vor allem wollte Hitler Geld für den bevorstehenden Wahlkampf, denn die NSDAP war hoch verschuldet.
Am 1. Mai sprach der Führer zum neu eingeführten „Tag der nationalen Arbeit“ über Arbeitnehmerrechte. Günther Quandt und August von Finck waren da rechtzeitig in die NSDAP eingetreten, denn am nächsten Tag trat der Aufnahmestopp in Kraft. Friedrich Flick und Ferdinand Porsche mussten somit „bis Mai 1937 auf ihren Beitritt warten“ (de Jong S. 89).
Die Arbeiter werden sich durch Hitlers Rede gestärkt gefühlt haben und sie haben sicher auch von den von Aly genannten sozialen Reformen profitiert – bis sie dann in großer Zahl zum Kriegsdienst eingezogen wurden. In ganz anderen Dimensionen haben die genannten Großindustriellen profitiert, insbesondere wenn sie im Rüstungsgeschäft oder in der Lebensmittelversorgung (wie die Oetker-Dynastie) tätig waren. Wie konnten die Gräuel des „Dritten Reiches“ geschehen? Natürlich auch deshalb, weil die meisten Großindustriellen das Regime unterstützten und dann auch keine Einwände gegen das Zwangsarbeitersystem hatten, dessen Brutalität sie sehr gut kannten – auch wenn sie das nach dem Krieg noch lange leugneten. Viele beteiligten sich an Arisierungen von jüdischen Firmen oder Beteiligungen. Auch sie machten also das Geschehene möglich und wirklich. Von daher überrascht es, dass Götz Aly die Großindustriellen nicht erwähnt. Übrigens nimmt auch Richard J. Evans in seinem großen Werk Hitlers Komplizen keinen von ihnen unter die 24 „Porträtierten“ auf. Allenfalls Robert Ley könnte man dazurechnen, denn als Leiter der Arbeitsfront war er „Herr über gewaltige Ressourcen“. Dabei hätte sich angeboten, unter die Komplizen etwa August von Finck aufzunehmen, der Hitler bereits im Februar 1931 zugesagt hatte, im Falle eines linken Putsches „über die Allianz [das Versicherungsunternehmen] fünf Millionen Reichsmark für die Bewaffnung der SA zur Verfügung zu stellen“ (de Jong S. 63), der offenbar glaubte, „dass Hitler von Gott gesandt war, um Führer des Deutschen Volkes zu werden“ (S. 96) und der von Hitler zum Kuratoriumsvorsitzenden des Hauses der Deutschen Kunst in München ernannt wurde, für das von Finck dann zwölf Millionen Reichsmark organisierte (S. 142). Weder Evans noch Aly erwähnen ihn mit einem Wort. Gewiss, wenn Götz Aly an der Reaktion der durchschnittlichen Bevölkerung interessiert ist, muss er die Rolle der Eliten nicht zwangsläufig thematisieren. Dann aber ergibt sich als Antwort auf die Frage „Wie konnte das geschehen?“ kein umfassendes Bild.
Alles, was Aly schreibt, ist relevant, lesens- und wissenswert. Wer allerdings die ideologische Vorgeschichte des Rassismus und Antisemitismus besser verstehen möchte, wird sich etwa Hannah Arendts so detailreicher wie glänzend geschriebener Arbeit Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft zuwenden. Und wer sich mit der Rolle der Großindustriellen beschäftigen will, sei z.B. an das Buch von David de Jong Braunes Erbe verwiesen.

Götz Aly: Wie konnte das geschehen? Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2026.
Was meint Verstehen?
Wir haben nach der Lektüre von Alys Buch etwas verstanden. Was bedeutet das? Vorher haben wir vielleicht gedacht, es wäre kaum möglich ein so „unmenschliches“, „inhumanes“ Verhalten zu „erklären“. Ja, vielleicht spürten wir sogar einen Widerwillen, das „nachvollziehbar“ werden zu lassen, was als das „Böse schlechthin“ zu betrachten ist. Harald Welzer hat diesen Widerwillen, das „Böse“ zu analysieren, in Aufnahme von Gedanken Ernst Blochs historisch so begründet:
„Der Teufel ist nicht säkularisiert worden, Gott schon. Daher steht der Fortschrittsglaube der säkularisierten Gesellschaft dem Unfall, dem Unglück, der Katastrophe, dem Terroranschlag immer als einem Phänomen gegenüber, das eigentlich nicht dazugehört. Es steht seltsam quer zur fortschrittlichen Gegenwart und ruft Adjektive auf: »tragisch«, »furchtbar«, »grausam«, »feige« und so weiter.“ (Welzer, Nachruf auf mich selbst S. 91)
Aly hat insofern Entmythologisierungsarbeit geleistet: Er macht das Verhalten der Mehrheit der Deutschen „nachvollziehbar“. Wer Harald Welzers Buch Täter gelesen hat, wird vielleicht überrascht gewesen sein, wie schlicht die Erklärung dafür ausfällt, „wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“ (so lautet der Untertitel). Es geschah nicht, weil sie eine Veranlagung zum Bösen in sich trugen, sondern, man könnte fast sagen, im Gegenteil:
Weil sie aus Solidaritätsgefühl ihre Kameraden bei der brutalen mörderischen Arbeit nicht „im Stich lassen“ wollten, nahmen die allermeisten das Angebot, sich nicht zu beteiligen, nicht wahr.
Natürlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle, insbesondere,
„dass Menschen fähig sind, ihr Handeln in jeweils spezifische Referenzrahmen einzuordnen (»es war eben Krieg«, »es war ein Befehl«, »ich fand es grausam, aber ich musste es tun«), die es ihnen erlauben, ihr Handeln als etwas von ihrer Person Unabhängiges zu betrachten.“ (Welzer: Täter S. 14)
Aber auch dies können wir nachvollziehen. In der Regel können Menschen Menschen verstehen. Das hat Grenzen. Menschliches Verhalten kann unverständlich werden, nicht weil es vom „Bösen“ dominiert wird, sondern weil es durch spezifische Erkrankungen, z.B. Wahnvorstellungen bedingt sein kann. Und als sich US-Psychologen und Psychiater an die Untersuchung der NS-Verantwortlichen machten, nahmen sie zunächst an, sie würden auf typische Krankheitssymptome stoßen, die die verübten Grausamkeiten erklären könnten. Sie mussten aber feststellen, dass sich Vieles durch allgemeinmenschliche Eigenschaften erklären ließ. Das ließ beunruhigende Schlüsse zu bezüglich der Gefahr, dass z.B. auch in den USA ähnliche Entwicklungen möglich sein könnten. Um dies im Blick zu behalten, – die allgemeinmenschliche Neigung zu angepasstem und solidarischem Verhalten, das selbst als abscheulich empfundene, grausamste Taten tolerieren kann -, darf man es mit der „Singularität“ des Holocaust nicht übertreiben.
Anthropologische Einsichten fundieren die sozialpsychologische Analyse
Denn der Holocaust verblieb überwiegend im allgemeinen Bereich des dem Menschen Möglichen. Deshalb ist mit Alys Analysen natürlich nicht die fundamentalere Frage beantwortet: Warum ist der Mensch als biologische Spezies zu solchem Verhalten fähig? Darauf kann sinnvoll nur die Evolutionstheorie antworten, und dies obwohl ausgerechnet Rassentheoretiker sich auf sie beriefen. Aber ihre normativen Ableitungen aus vermeintlichen Naturgesetzlichkeiten (Kampf ums Überleben) mitsamt der absurden Übertragung auf Völker oder Rassen, waren Unsinn.
Was die Evolutionstheorie kann, ist, plausibel zu machen, warum sich Primaten entwickeln konnten (nicht mussten), die enorme soziale und psychologische Kompetenzen entwickelten und für die die Gruppe zum Biotop, zum Lebenselement wurde. Es war nämlich vorteilhaft, sich auf reziproke Beziehungen von Geben und Nehmen einzulassen, es war vorteilhaft in einer Gruppe mit anderen zu kooperieren, um einen Teil vom Kuchen abzubekommen, und es war vorteilhaft, die Gefühle und Motive anderer deuten zu können. Dies alles war für den Einzelnen (immer inklusive seiner Nachkommenschaft bzw. Verwandtschaft) vorteilhaft und nicht primär für die Gruppe als Ganzes, geschweige denn für die Art (Spezies), die hier überhaupt keine Rolle spielen kann.
Dieser soziale Mensch hat seinen Egoismus mithin keineswegs abgelegt, aber dieser ist so von Sozialität und Altruismus überformt, dass man beides meist gar nicht voneinander trennen kann.
Nur manchmal tritt der Egoismus zutage:
- Wenn kein Zeuge (menschlicher oder göttlicher oder ein Ahnengeist) da ist, tendiert eine Entscheidung leicht zum Egoismus. Wie einflussreich der Gedanke an einen möglichen Beobachter ist, zeigen Experimente mit einem Punkt-Punkt-Komma-Strich-Gesicht, das Menschen bereits davon abhält, der Kaffeekasse das Geld zu verweigern.
- Wenn die herrschende Norm den Egoismus begünstigt, zu ihm ermutigt und ihn rechtfertigt, lassen sich viele Menschen das vielleicht zwei mal sagen, dann aber greifen sie zu. Das geschieht logischerweise ganz überwiegend auf Kosten von Dritten, denen man „am besten“ nicht in die Augen schauen muss, weil sie schon geflohen, deportiert oder ermordet worden sind. Man hätte die Arisierung einer Firma vielleicht nicht initiiert (und schon gar nicht verantwortet), aber wenn sie das neue Normal, ja das neue Gewünscht war, warum nicht?
Damit haben wir im Vorhergehenden zwei wichtige Schwachstellen der menschlichen Moral benannt. Zum einen die Bereitschaft, der Versuchung zum Egoismus nachzugeben, wenn die herrschende Meinung es zulässt, nahelegt oder gar gebietet, zum anderen die Bereitschaft, der Gruppensolidarität alles unterzuordnen. Indem die Führer der Nazi-Herrschaft, diese beiden Schwächen des Menschen geschickt nutzten, gelang es ihnen, jedes Mitgefühl und jeden Sinn für Gerechtigkeit weitgehend auf das eigene Volk zu beschränken.
Es kommt aber noch ein dritter Punkt dazu. Die Nazis verstanden es ausgezeichnet eine starke Emotion in den Dienst zu nehmen, die sich leicht lenken lässt. Der angeborene Ekel vor Unreinem, der als Gegenpol die Bereitschaft hat, etwas als rein oder gar heilig zu betrachten, wurde auf für die Ideologie der Rassenreinheit genutzt, der als geradezu bedrohlich und abscheulich die „Rassenschande“ gegenübergestellt wurde. Es sei daran erinnert, dass selbst in unserer von der Wissenschaft geprägten Welt Menschen mitunter Angst vor Verunreinigung bzw. Vergiftung durch relativ harmlose Stoffe (und womöglich keine Angst vor gefährlichen) haben. Die Idee der Rassereinheit und der Gruppennarzissmus stützen sich natürlich gegenseitig.
Ja, Göring mag ein narzisstischer Psychopath gewesen sein, Rudolf Heß nicht ganz zurechnungsfähig, Robert Ley von einer Hirnverletzung bei einem Flugzeugabsturz gezeichnet gewesen ein, dass aber Gräueltaten von diesem Ausmaß geschehen konnten, muss etwas mit der Natur des Menschen zu tun haben, und zwar mit der moralischen Natur des Menschen, die nicht vorbereitet ist auf große anonyme Gesellschaften, in denen die Führer Macht auf sich konzentrieren, sich der sozialen Kontrolle entziehen und systematische Propaganda betreiben können. Das Ergebnis kann dann allerdings so erschreckend sein, dass alle sich fragen: Wir konnte das geschehen?
Diese Lehren können daraus gezogen werden
Einen Möchtegern-Diktator auszuschalten bzw. rechtzeitig lächerlich zu machen und in die Schranken zu weisen, war in Sammlerinnen-Jäger-Kulturen kein großes Problem. Seit den Zeiten der Sesshaftigkeit, des Patriarchats, der Könige und Fürsten etc. ist es nicht mehr so einfach. Präventiv können Regeln des Zusammenlebens wirken. Die Demokratie bietet dafür ganz gute Voraussetzungen (z.B. mit Gewaltenteilung, regelmäßigen Wahlen, Amtszeitbegrenzung) unter der entscheidenden Bedingung, dass es ihr gelingt, Ressourcen- und Machtkonzentrationen zu begrenzen (Steuersystem).
Kulturelles Wissen ist eine wertvolle Ressource. Sie ist zu hegen und zu pflegen. Zum Glück gibt es eine wissenschaftliche Weltbetrachtung und Geisteshaltung, die global kommuniziert werden kann und in einem Ringen um Erkenntnis auf Konsens (bzw. geteiltes Wissen) ausgerichtet ist. Bildung ist ein maßgeblicher Faktor, um diese Ressource zu bewahren und weiterzuentwickeln.
Da Gruppenegoismus, Feindbilder, Rassismus, Nationalismus etc. das größte Potential haben, den Menschen zu Gewalttaten zu verführen, die er ohne diese irrationalen Konstrukte und Übertreibungen niemals verüben würde, ist hier den Anfängen zu wehren (Ausgrenzung behinderter, geflohener, anders aussehender Menschen etc.).
Das Konzept der Reinheit darf niemals verwendet werden, um eine Rangfolge unter Menschen zu etablieren.

Harald Welzer: Nachruf auf mich selbst, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2021.
Ernst Bloch: Experimentum Mundi, Werkausgabe Bd. 15, Suhrkamp Verlag stw 546 1985 (Erstauflage 1975).
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Douglas M Kelley: 22 Zellen in Nürnberg, Éditions du Cercle 2026.
Originalausgabe: 22 Cells in Nuremberg 1947, 1974.
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Jack El-Hai: Der Nazi und der Psychiater. Extradrucke der Anderen Bibliothek No 357, Berlin 2018.
Originalausgabe: The Nazi and the Psychiatrist. Hermann, Dr. Douglas M Kelley, and a Fatal Meeting of Minds at the End of WWII, Public Affairs/Perseus New York 2013.



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